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08.03.2010
Nachruf Raimund Abraham
Architekt Raimund Abraham verstorbenDer Stararchitekt Raimund Abraham ist am 4. März 2010 bei einem Autounfall in L.A. ums Leben gekommen. MAK-Chef Peter Noevers Nachruf auf den Architekten, der als einer der wichtigsten Exponenten der internationalen Avantgardebewegung der 1960er Jahre zählt. Nur wenige Stunden vor seinem Tod hielt Raimund Abraham den Vortrag "The Profanation of Solitude" am Southern California Institute of Architecture (SCI-Arc) in Los Angeles, den ich besuchte und in dem er von seiner unerschütterlichen Liebe zur Architektur sprach. Ich bin tief betroffen über sein tragisches Ableben. Ich habe nicht nur einen engen Freund verloren, sondern auch einen der politisch korrektesten Menschen, der sich nicht mit Halblösungen zufrieden gab. Er blieb sich selbst und seinen Überzeugungen immer treu. Raimund Abraham befand sich im ewigen Widerstand für die freie Kraft von Architektur und Weltkultur. Zu Beginn der 1960er Jahre definierte er mit Hans Hollein und Walter Pichler eine neue experimentelle Bauweise. Heute zählt er zu den visionärsten und progressivsten Architekten und theoretischen Denkern der internationalen Avantgarde.
Als Nonkonformist, fundmentaler Kritiker und Verfechter der architektonischen Form setzte sich Abraham unermüdlich für eine kollektive Erneuerung der Architektur ein. Wenn also in der Geschichte der Architektur eine bauliche Form, um als Architektur anerkannt zu werden, als etwas Besonderes, Wahrhaftiges, Singuläres ausgewiesen werden musste, gilt heute jede Form als bloßes Beispiel einer potentiell unendlichen Menge von Formen, von denen jede es gleichermaßen verdienen würde, als Architektur zu gelten. – Diese Gleichwertigkeit aller Formen, welche die Architektur der Moderne ermöglichte, wurde von Raimund Abraham mit Fragezeichen versehen.
Abraham verband eine sehr spezielle jahrzehntelange Beziehung mit dem MAK Wien, wie auch dem MAK Center Los Angeles. Er zählte zu denjenigen, die mich persönlich in der Umsetzung der Neuorientierung des Museums für angewandte Kunst in den 1980er Jahren unterstützten. Er partizipierte auch an der programmatischen Ausstellung "Wiener Bauplätze. Verschollene Träume – Angewandte Programme. Wien um 1986" und nahm an der dazu parallel veranstalteten MAK-Vortragsreihe "Architektur oder Bauen?: Eigensinn oder Illusion – Fragmente zu einem Programm der neuen architektonischen Kultur" teil; 1991 gestaltete er ein außergewöhnliches Projekt – das "Kugel-Projekt" – für das MAK-Terrassenplateau. Seine Architekturmodelle und Zeichnungen zählen zu den ersten Objekten, die für die MAK-Sammlung Gegenwartskunst erworben wurden, darunter das Projekt "Kirche an der Berliner Mauer" (1981-1982) und der "Hinge-Chair" (1971) aus der Serie "Destruction of Objects". Zuletzt war Abraham in Vorbereitung seines Beitrags zu der vom MAK für 2011 geplanten Ausstellung "Austria Davaj!", die im MUAR / Schusev Staatsmuseum für Architektur, Moskau, stattfinden wird.
Peter Noever |
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